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Nochmal!

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Wie nähert man sich Paul Celan's hermetischer Lyrik? Nochmal – Wort für Wort.

Ifflandring-Preisträger Jens Harzer interpretiert den Dichter der "Todesfuge".


Der Name Paul Celan scheint untrennbar mit der Shoa und seinem wohl bekanntesten Gedicht der Todesfuge verknüpft zu sein. Diese „Schublade“ wird oft geöffnet, wenn es um das Werk des 1920 geborenen deutschsprachigen Lyrikers geht. Doch diese „Lesart“ wird seiner Dichtung nicht gerecht, finden die Celan-Expertin Barbara Wiedemann und der Schauspieler Jens Harzer. Sie versuchen sich der eindringlichen Sprache Celans gegenwartsbezogener zu nähern, sie von dem Etikett der „engagierten Lyrik“ zu befreien und machen den Titel ihres Hörbuchs, Paul Celan – Eine Annährtung , zum Programm. Herausgekommen ist ein berührendes Hörerlebnis, das den Prozess des Erlesens genussvoll zelebriert.


Worte für das Unsagbare finden

Es geht nicht um das bloße Rezitieren, das wird sofort klar, sobald Jens Harzers seine Lesung beginnt. Er ist einer der spannendsten Schauspieler unserer Zeit und wurde von der „Süddeutschen Zeitung“ einmal als „Sprachdruide“ bezeichnet. Tatsächlich haftet seiner intensiven Annäherung an Paul Celans hermetische Dichtung etwas Alchemistisches an. Wie kein anderer versteht er es, Sprache bis zur Belastungsgrenze zu dehnen, sie zu erforscht und noch während des Sprechens zu „verkostet“ – hörbar. Worte für das Unsagbare finden - Eine Kunst, die Celan und Jens Harzer verbindet.


„Hier ist einiges zu klären, Freunde!“

Zu dieser Kunst gehört auch der Irrtum. Dass die Versprecher und Variationsversuche Harzers integriert wurden, ist das große Plus dieser Hörbuchproduktion. Nicht jede Interpretation will dem Schauspieler auf Anhieb gelingen. Er kommentiert: „Hier ist einiges zu klären, Freunde!“, hält mitten in der Lesung inne und setzt noch einmal neu an: „Ach, kommt, lass uns das jetzt einfach mal probieren und dann schauen wir mal, oder ärgert sich, „Mist!“. Es ist das Ringen um jeden Vers, jede bedeutende Pause, die den Hörer in den Prozess des "Erlesens" einbindet und ihm somit einen intuitiven Zugang zu Celans rätselhafter Dichtung eröffnet.


Nich weniger als eine Annäherung

Das Prinzip der Annährung wurde schon bei der Vorbereitung des Hörbuchs gepflegt, wie der abgedruckte Briefwechsel zwischen Barbara Wiedemann und Jens Harzer beweist. Der Schauspieler wurde von Anfang an aktiv an Auswahl und Strukturierung der Gedichte beteiligt. Das mag dazu beigetragen haben, dass diese Produktion sich so grundlegend von anderen Hörbuchpublikationen zum Thema „Paul Celan“ unterscheidet. Sie will nicht weniger sein als eine Annäherung und das gelingt ihr auf berührende Weise.

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